Ev.-luth. Kirchengemeinde Barum-Natendorf

Reisebericht über die Fahrt auf Luthers Spuren im Jahr danach

Am 21.06.18 war es endlich soweit, 32 Interessierte aus Barum-Natendorf und Ebstorf mit Gästen aus Himbergen, Altenmedingen und Uelzen machten sich erwartungsvoll auf den Weg.


Erste Tücken der Elektronik im Bus machten alles ein bisschen spannend, aber Herr Paul, der Fahrer der Firma Springhorn aus Soltau, hatte alles schnell im Griff und wir konnten fast pünktlich in Magdeburg Herrn Willmann treffen, der umsichtig uns seine Stadt ans Herz legte. Auf Grund des herannahenden Regens, passte er die Tour an und wir waren begeistert von dem heutigen Magdeburg. Der Dom, 1. gotischer Dom auf deutschem Boden, lädt zum Verweilen ein. Ehrfürchtig nahmen wir die Schönheit in uns auf und lauschten den Erklärungen. Der Domplatz, wurde für ein Musical vorbereitet. Mit dem Bus ging es dann durch die Barockstadt, wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Luther hielt 1527 seine Lutherpredigt in der Johannis- kirche, seitdem breitete sich auch hier die Reformation aus. Zu 3 Anlässen hat sich Martin Luther in Wittenberg aufgehalten, als Schüler, als Generalvikar und als Prediger. Heute ist die Johanniskirche entweiht und wird für viel kulturelle Anlässe genutzt

Unsere Rundfahrt endete an der „Grünen Zitadelle“, erbaut von Hundertwasser. Diesen bunten, vielfältigen Komplex erkundeten wir zu Fuß und konnten uns hier ein wenig stärken.

Mit dem Gefühl und guter Hoteladresse im Kopf, „es lohnt sich noch einmal nach Magdeburg zu fahren“, verließen wir die Stadt und näherten uns Wittenberg.

Einen Höhepunkt sollten wir aber noch erleben.

Wir fuhren an Wittenberg vorbei nach Kemberg

Kemberger Stadtkirche „St. Marien“ Wo sich Altes und Neues verbinden.

Der gewaltige Turm lässt uns ganz schwindelig werden. Begrüßt wurden wir von einem Zeitgenossen Luthers und Herrn Schroeter, das Herz der Kirchengemeinde.

Lebendig und überschäumend nimmt er uns mit auf einen Rundgang durch das Kirchenschiff. Marin Luther hat hier 14 mal gepredigt.

Beim betreten des Kirchenraums fallen zuerst die Blicke auf einen Bilderzyklus mit 35 Tafeln aus dem 1. Buch Mose. Entstanden ist der Zyklus im letzten Drittel des 16. Jh., die Namen der Stifter aus Kemberg, ihre Wappen und Zunftzeichen sind unter den Bildern dargestellt. Dies ist einmalig in dieser Gegend, der Künstler ist unbekannt. In sogenannten Zeitfenstern können wir auch noch Wandmalereien des Heiligen Andreas und der Heiligen Barbara entdecken. Die Kirche ist voller Kunstschätze. Die Stimme von Herrn Schroeter wird ganz wehmütig , wenn er vom Schwelbrand, im Jahr 1994, des Altarbildes von Lucas Cranac dem Jüngeren berichtet. Die Reste des Flügelaltars sind in der Sankristei aufgestellt und die verkohlten Teile in Schubladen aufgehoben. Heute steht ein durchsichtiges Kreuz einer Künstlerin aus Wernigerode in den Farben des Regenbogens auf dem Altartisch und je nach Lichteinfall kann man die Idee der Künstlerin erahnen, spannend auf jeden Fall. Mit dem Kanon „Vom Aufgang der Sonne …..“ haben wir uns verabschiedet.

Es gibt noch soviel zu berichten, aber dann reicht der Platz im Gemeindebrief nicht.

Dies ist nun stellvertretend intensiv für die anderen Tage. Der Leser merkt, hier waren wir noch „taufrisch“

Endlich konnten wir unsere Zimmer beziehen und unseren Hunger stillen.

Mit einer, von Andrea Kamionka vorbereiteten, kleinen Abendandacht fielen wir müde ins Bett, selbst den Zugverkehr haben wir nicht wahrgenommen.

Am Freitag, nach ausgiebigem Frühstück, fand sich, wer wollte im Bus zu einer Morgenandacht ein. Raumnot macht erfinderisch.

Der Bus brachte uns zum Lutherhaus. Von hier ging es zu Fuß durch die Stadt bis zur Schlosskirche.

Nicole Fricke bescherte uns eine bühnenreife Führung durch die Lutherstadt

Ohne das Licht der Worte, können die Sachen nicht verstanden werden“

Mit diesem Satz überraschte sie uns, wir wurden über Luther, Katharina von Bora, „Herr Käthe“ Melanchton und den beiden Cranachs informiert. Eins wurde uns deutlich, hätte nur einer dieser Hauptdarsteller gefehlt, wäre aus der Reformation gar nichts oder etwas völlig anderes geworden. Die Bildersprache verstand jeder, aber lesen? Also wurden Schulen gegründet, und man höre und staune, auch für Mädchen mit richtigen Schulplänen. Katharina Luther führte ein sorgfältiges Haus und hatte ihre „Wirtschaft“ super im Griff. Die Universität hatte einen guten Ruf, nicht nur in der Theologie, die Cranach Werkstätten konnten die Aufträge kaum schaffen, die Cranach Bilder verknüpfen alte Bibelstellen und Gleichnisse mit Personen, die zu der Zeit gelebt haben. Im Cranach Hof finden heute Workshops statt und eine Buchdruckerei, im Original mit einem Original, so konnten wir die Werkstätten erleben.

Unser Weg führte uns zur Stadtkirche zum Cranach Altar, man möchte sitzen bleiben und schauen, inne halten. Besonders hingezogen fühlten wir uns zum „Weinbergaltar“ und dem Epithaph der Familie Bugenhagen , Pastor der Stadtkirche. Im Mittelpunkt immer wieder die Taufe und das Abendmahl.

Wir überquerten den großen Marktplatz mit den beiden Standbilder von Luther und Melanchton und schritten auf die Kuppel der Schlosskirche zu. Der erste Blick fiel auf die Thesentür, 95 Thesen in Bronze gegossen. Um sie so vor Ort lesen zu können braucht man ein Vergrößerungsglas. Der Eingang in der Woche geht vom Schlosshof aus, nur am Sonntag zum Gottesdienst geht man durch die kleine Tür am Turm, aber nach dem Gottesdienst verlässt man die Kirche durch die Thesentür.

In der Schlosskirche gibt es in der Krypta einen Raum der Stille, hier haben wir, im kleinem Kreis, Worte aus der Bergpredigt gehört. Nun hatten wir noch freie Zeit, jeder, jede konnte da noch einmal hin, um etwas flüchtig wahrgenommenes zu vertiefen. Im Schlosshof ist alt und wunderbar kombiniert. Die Jugendherberge, das Predigerseminar und das Schlossmuseum bilden eine Einheit.

Am Nachmittag ging es dann nach Torgau.

War es in Wittenberg kühl und regnerisch, wurden wir in Torgau mit Sonnenschein und Herrn Rehan begrüßt. Wir konnten am Marktplatz aussteigen und setzten unsere Füße auf Sächsischen Boden, wie Herr Rehan besonders betonte. Ein wunderschöner großzügiger Marktplatz mit dem schönsten sächsischen Rathaus aus der Frührenaissance präsentierten sich vor unseren Augen. Ein kleiner Abstecher, nur durch einen Torbogen gehend, in den folgenden Innenhof, lies uns erahnen, wie die Geschichte der Stadt mitgespielt hat, die Türme der Nikolaikirche restauriert, alles andere drum herum verfallen. Nutzung noch fraglich. Durch die Luthergasse führte der Weg uns am Sterbehaus von Katharina Luther vorbei. Nach dem Tod ihres Mannes, war sie in Wittenberg nicht mehr so gut gelitten und zog mit ihren jüngeren Kindern nach Torgau., sie ist in der Marienkirche in Torgau beigesetzt, ihr Grabmal steht in der Nähe der Kanzel

Zum Schluss dieses ereignisreichen Tages gingen wir über einen Schlossgraben in den Innenhof von Schloss Hartenfels. Die prächtige Wendeltreppe bildet das Herzstück und ganz unscheinbar entdeckten wir die Schlosskirche, der 1. Bau einer protestantischen Kirche, die von Martin Luther eingeweiht wurde. Der Altar in seiner Schlichtheit und die Kanzel bestimmen den Kirchenraum.

Tief beeindruckt steigen wir in unseren Bus und müssen alles Gesehene und Gehörte verarbeiten.

Am Samstag steht Eisleben und Mansfeld auf unserem Programm.

In der Hoffnung wieder Aufnahme bereit zu sein, gehen wir guten Muts Herrn Musielak entgegen.

In Eisleben ist Luther geboren und gestorben. So ist auch die Kirche Peter und Paul „St.Petri“ etwas ganz besonderes. Zum Jubiläumsjahr hat man die Kirche als „Taufkirche“ geschaffen. Im Boden ist ein großes Becken eingelassen. Das Wasser ist in Bewegung und leichte Wellenlinien sind im Bodenbelag wieder zu finden.

Die Kirche ist einfach nur schön, beruhigend, einladend zu beten und zu singen.

Alles haben wir probiert und wussten ganz genau, hier her kommen wir zurück bevor wir wieder in den Bus einsteigen.

Luther hat vor seinem Tod noch 4 mal in Eisleben gepredigt. Er ist trotz seiner angegriffenen Gesundheit nach Eisleben gefahren um den Streit zwischen den Mansfelder Grafen zu schlichten.

In Mitten der Stadt wieder eine Marienkirche und immer weiter bergan am Bergmannsbrunnen und der -schule vorbei zur Annenkirche und dem Annenkloster. Auch dies muss man gesehen haben. Herzlichst willkommen, durch die Küsterin, zeigt sie uns „Ihre“ Schätze. In Kemberg waren es die bemalten Bildtafeln, hier sind es in Sandstein gehauene Bildtafeln im Rund des Chorraums, ein einzigartiger Kanzelaufbau und eine wunderschöne Kassettendecke zu bestaunen. Vom Kloster ein toller Blick über Eisleben und das Mansfelder Land.

Auf unserem Rückweg gibt es zur Belohnung noch Kaffee und Kuchen und eine Besinnung am großen Taufbecken. Das Singen kam von ganz allein. Eisfeld werden wir wohl in sehr guter Erinnerung behalten.

Der letzte Tagespunkt ist Mansfeld. Hier ist Martin zur Schule gegangen. In der Ortsmitte gibt es ein Denkmal mit Luther in allen Altersstufen.

Die St. Georgskirche mit Blick auf das Mansfelder Schloss, birgt so viele Kunstschätze, dass ich ganz ehrlich sagen muss, es war überwältigend, aber aufnehmen konnten wir nicht mehr viel. Beim nächsten Besuch wird dies nachgeholt.

Auf dem Weg zum Bus kommen wir an dem Elternhaus von Martin Luther vorbei.

Einige von uns haben sich noch einen Eindruck verschafft. Auch diese Museen haben mehr Beachtung verdient.

Der Heimweg ins Hotel ging flott, beim Abendessen konnten wir auf der Leinwand das Spiel Deutschland gegen Schweden verfolgen. Der einzige Fußballkrimi für uns und wir waren dabei!!

Unser letzter Tag beginnt heute mit einem Gottesdienst in der Schloss- oder Stadtkirche. Für den Sonntag und für unsere letzten Stunden in Wittenberg ein sehr wohltuender Abschluss.

Nach dem Gottesdienst durften wir noch ins Wörlitzer Gartenreich, zu Fuß und zu Wasser, eintauchen. Das Auge und die Seele konnten wunderbar zur Ruhe kommen und wer den Ausführungen der Ruderer gefolgt ist, stellt fest: auch hier hat es einen Fürsten gegeben, vom Volk liebevoll Vater Franz genannt, der auf seine Weise Landschaft gestaltete, reformierte und vorbildlich für die Ausbildung seiner Mitbürger sorgte.

So hat sich ein wunderbarer Kreis geschlossen.

Als wir aufbrachen, waren wir „Einzel Reisende“, mit jedem Tag wurde man vertrauter und die Gespräche hörten überhaupt nicht auf.

Wir haben miteinander Texte gelesen, gesungen, zugehört und gebetet. Wir bedanken uns bei Andrea Kamionka für ihre inhaltliche Vorbereitung.

4 Tage und sooooooooviel erlebt

G.Jenckel-Paulini